Windsurfing-Kiel Loop Challenge 2012

Der mittlerweile legendären Frontloop-Workshop geht in die vierte Runde

Jedes Jahr im Januar der gleiche Ablauf – plötzlich klingelt das Telefon und Christoph (Admin von Windsurfing-Kiel.de und Erfinder und Organisator des Events) ist am anderen Ende der Leitung mit der Frage, was wir denn für die Loop Challenge in diesem Jahr noch alles organisieren müssen. Dazu gehört das Zusammenschreiben und online stellen von Infos für die Teilnehmer, Ankündigungen in den Print- und Online-Medien der Windsurfwelt platzieren, Sponsoren um Unterstützung bitten für die Ausstattung der Trainer, Preise für die Teilnehmer und Verpflegung am Strand organisieren, ... und ausreichend Trainer zu motivieren, wieder einmal dabei zu sein, wenn eine Horde wilder Loop-Lern-Williger sich wie die Lemminge um den Mast wickeln und auf die Klappe legen will – alles nur, um dem wohl immer noch wichtigsten Traum-Manöver der meisten Windsurfer ein Stück näher zu kommen – dem Frontloop. Denn genau darum geht es bei der Windsurfing-Kiel Loop Challenge. Und wenn Christoph sich Anfang des Jahres zum ersten Mal meldet steht sofort außer Frage, dass wieder alle mitmachen – die Frage ist nur, wann der Event starten kann.

Wenn das ganze Drumherum geklärt ist, steht das tägliche Wetter-checken im Vordergrund. Die Loop Challenge war von Beginn an als StandBy-Event konzipiert. Die Waiting Period beginnt immer ungefähr im Mai, wobei die Teilnehmer sich während des ganzen Jahres über Windsurfing-Kiel.de anmelden können. Wenn dann für ein Wochenende zwischen Mai und Oktober die Vorhersage mindestens an einem Tag nach > 20 Kn Wind aus westlicher bis nordwestlicher Richtung aussieht, das Wetter erträglich sein soll und auch noch ausreichend Trainer (meist Friedel Blaasch, Steffi Wahl und Flo Söhnchen) zur Verfügung stehen, fällt Donnerstagmittags der Startschuss. Die angemeldeten Teilnehmer müssen sich bis zum gleichen Abend zurückmelden, wenn Sie an dem betroffenen Wochenende Zeit haben. Aus allen Rückmeldungen werden dann die Startplätze per Los vergeben und die glücklichen Teilnehmer so rechtzeitig benachrichtigt, so dass auch Teilnehmer mit einer weiten Anreise es noch an den Strand schaffen können. 

Nachdem wir im vergangenen Jahr meist aus Trainer- oder Windmangel keine Loop Challenge starten konnten, haben wir die Waiting Period in diesem Jahr extra früh beginnen lassen, um mit einer möglichst hohen Wahrscheinlichkeit ein gutes Wochenende zu treffen. Und dies sollte sich auszahlen, denn schon am Samstag dem 12. Mai gab es an der Ostsee perfekte Bedingungen, um das Rotieren zu lernen. Am 10. Mai fiel nach dem letzten Wetter-Check der Startschuss und so fanden sich am Samstagmorgen 21 Teilnehmer, 2 Trainer, ein Organisator und eine Fotografin am Strand in Heidkate (nahe Kiel) ein, um sich gemeinsam der Herausforderung „Frontloop“ zu stellen. Der Tag war gut gewählt – Side-Onshore Wind für Segel zwischen 4,0 für Mädels und 5,0 für die schwereren Jungs, dazu zeitweise richtig netter Sonnenschein – nur die Temperaturen waren doch noch in einem sehr ungemütlichen Bereich – aber für ein Ziel wie den Loop nimmt man das ja gerne in Kauf.

Nach einer kurzen Theorieeinheit inklusive „echten“ Trockenübungen an Land ging es also hochmotiviert auf’s Wasser. Die beiden Trainer Friedel und Flo sind dabei jeweils mit einem „Schüler“ am Strand gestartet, haben ihm einen Loop vor die Nase gesetzt und dann hinterher mit vollem Einsatz motiviert und angefeuert, bis auch der Schüler sich in die Rotation geworfen hat. Dieses Konzept funktioniert seit Jahren super – einerseits ergibt sich natürlich eine Art Gruppenzwang, sobald der erste der Teilnehmer seinen ersten Versuch hinter sich hat, andererseits hilft die ständige Demonstration und die Anfeuerung der Trainer jedem einzelnen, sich immer wieder zu überwinden – natürlich mit unterschiedlichem Erfolg. Ziel des Workshops kann es nicht sein, dass alle Teilnehmer den Loop nach einem Tag perfekt springen. Vereinzelt kommen ein paar Teilnehmer mal ziemlich weit, allerdings in der Regel nur, wenn sie schon vorher ordentlich geübt haben. Das Hauptziel ist es, jeden Teilnehmer dazu zu bringen, sich selber und seine Angst zu überwinden – denn das ist beim Loop die halbe Miete. Die Bewegung ist ja ziemlich leicht, man muss sich eben nur trauen. Und in der Gruppe gelingt es den Meisten einfach besser, den Kopf auszuschalten – so wie bei den Lemmingen halt... Dadurch entstehen jede Menge lustiger Abgänge und Bilder, teilweise sieht man aber auch schon richtig gute Loop-Rotationen. Danke der guten Theorie-Vorarbeit und der Helmpflicht halten sich die Kollateralschäden übrigens in Grenzen - seit der ersten Loop Challenge haben wir bisher nur eine ernsthafte Verletzung gehabt, aber immerhin bereits ca. 100 Surfer dazu gebracht, sich in die Rotation zu werfen. Materialschwund gab es dagegen schon etwas mehr. Aber irgendetwas ist ja immer.

Was am Ende des Events in Erinnerung bleibt, sind die einzelnen Personen, die den Tag zu etwas besonderem gemacht haben – so beispielsweise Julian, der jüngste Teilnehmer, der mit seinen gerade 13 Jahren am späten Nachmittag plötzlich einen Schalter in seinem Kopf umlegen und ein paar richtig gute Drehungen zeigen konnte. Noch 2-3 Tage, dann landet er sicher schon in Wasserstartposition. Oder Diego aus Bern (Schweiz), der am Freitag eine gut 11-stündige Anreise in Kauf genommen hat, um sich über 1.000 km entfernt in Heidkate gemeinsam mit den anderen Teilnehmern am Traum-Manöver zu versuchen. Abgesehen davon, dass 23 Stunden im Auto für 5-6 Stunden auf dem Wasser absolut an Wahnsinn grenzen, zeugt dies natürlich auch von höchster Leidenschaft und grenzenlosem Einsatz. Letzterer wurde am Ende auch mit einigen richtig guten Loops belohnt. Und dann war da noch Mareike, die als eine von immerhin 6 Teilnehmerinnen die steilste Lernkurve des Tages erzielte und am Ende auch nur hauchdünn an einer kompletten Drehung vorbeigeschleudert ist. Aber auch da fehlt nicht mehr viel. 

Spätestens nach der zweiten Wassereinheit waren die meisten Teilnehmer vollkommen platt – zur Stärkung gab es Abends eine gemeinsame Pizza, bei der die besten Geschichten des Tages geteilt werden konnten. Zudem wurden auch noch einige Teilnehmer ausgezeichnet. Dank der Unterstützung von SurfLineKiel, Tabou, Gaastra und Maui Ultra Fins konnten kleinere und größere Preise vergeben werden, zum Beispiel an den jüngsten (13) und den ältesten (53) Teilnehmer, für die weiteste Anreise (Bern, CH, >1.000km), die beste Dame, den größte Lernerfolg und für das beste Foto... Der Hauptpreis für den schnellsten Lernerfolg (60% Rabatt auf ein neues Tabou-Waveboard) ging an Mareike, die Ihre Belohnung auch gleich am folgenden Montag in Empfang nehmen konnte. Da hat sich die Teilnahme gleich doppelt gelohnt. 

An dieser Stelle möchten wir einen herzlichen Dank an unsere Sponsoren richten, die den Event mittlerweile seit langer Zeit unterstützen – ohne euren Support wäre die Loop Challenge in dieser Form nicht möglich. Gleichzeitig gilt unser Dank aber auch den Teilnehmern, die uns durch ihre Begeisterung nach den ersten guten Versuchen immer wieder motivieren, die Veranstaltung fortzuführen. Wie lange noch? Wahrscheinlich so lange, bis auch Christoph, der Organisator, den Loop endlich einmal gelernt hat. Und das kann nach heutigem Stand noch dauern.

Die Windsurfing-Kiel Loop Challenge wird unterstützt von Elkline, SurfLineKiel, Gaastra, Tabou, Maui Ultra Fins, Red Bull.

Nachtrag zur Statistik:

Die Windsurfing-Kiel ist der von den Anmeldezahlen her bestimmt größte Frontloop Workshop Norddeutschlands. In 2012 konnten wir den Event zum vierten Mal starten. Insgesamt lagen 256 registrierte Anmeldungen vor. Davon meldeten sich 96 Surfer zurück, die am Wochenende 12. Mai 2012 teilnehmen wollten. Unter den 21 Teilnehmern, die einen Startplatz bekommen haben, waren 6 Damen – Rekord für unseren Event.

 

Mehr Infos gibt es unter www.windsurfing-kiel.de

 

Text: Flo Soehnchen

Fotos: Valerie Luther