3. Windsurfing-Kiel.de LoopChallenge Powered by Elkline

- ein Stand-By Fahrtechnikseminar zum Durchdrehen -

© by C. Lorenz
© by C. Lorenz

Am 16. September 2010 war es soweit – endlich... nach einem halben Jahr des Wartens war die Windvorhersage für die westliche Ostsee seit Monaten zum ersten Mal über einige Tage stabil. Für den folgenden Samstag, den 18. September 2010, wurde Westwind mit mehr als 20 Knoten angekündigt. Nachdem wir schon befürchtet hatten, in diesem Jahr leer auszugehen, fiel somit der Startschuss für die 3. „Windsurfing-Kiel.de LoopChallenge“. Und wenige Stunden später kam es, wie es kommen musste: Die Vorhersage wurde immer schlechter...  

Seien wir doch mal ehrlich – Wenden und Halsen kann (fast) jeder. Moves wie Pushloop into Frontloop, Double Forward, Ponch und Double-Freestylemoves dagegen werden für die meisten Windsurfer immer ein Traum bleiben. Vom normalen Frontloop allerdings träumt wahrscheinlich jeder, der seinen ersten Sprung mit einem Windsurfboard hinter sich hat. Und vermutlich kann ihn auch fast jeder lernen, der erst bis dahin gekommen ist. Denn der Frontloop ist – eigentlich – extrem einfach. Viel einfacher jedenfalls als eine Halse. Man muss sich nur überwinden und sich trauen, es einfach zu versuchen. Und da das mit dem Überwinden mit ein bisschen Gruppenzwang deutlich einfacher geht, vor allem wenn noch ein Drill-Sergeant hinter einem her fährt und einen anfeuert, findet die „Windsurfing-Kiel.de LoopChallenge“ immer mehr Zuspruch. 

Und so traf sich am 18.09. eine kleine Gruppe von 21 hoch motivierten Windsurfern plus Trainer und Organisator am Kieler Stadt-Spot Heidkate, um dem großen Traum eines jeden Windsurfers näher zu kommen – dem FrontLoop. Ein paar Teilnehmer sind extra aus Gießen, Frankfurt oder Stuttgart an die Ostsee gefahren und zwei Teilnehmer ließen die in dieser Woche herrschenden epischen Bedingungen in Klitmöller sausen, um morgens in Heidkate bei geschätzten 2,41 Windstärken am Strand zu stehen... Tatsächlich, als sich das Orga-Team morgens um 9 am Strand traf, schien es als hätten wir den berühmten Griff ins Klo gelandet. Es sah fast noch schlimmer aus, als befürchtet...

In der Nacht auf Samstag wurde ich von regelrechten Alpträumen heimgesucht. Irgendwie hatte ich schon am Freitag ein schlechtes Gefühl und in meinem Kopf tauchten immer wieder Bilder von 2 Windstärken aus Ost und strömendem Regen auf. Wenn man einen Standby-Frontloop-Lern-Event durchführen will, wäre das so ziemlich das Schlimmste, was einen passieren kann. Irgendwann muss man sich entscheiden, den Startschuss zu geben. Und wenn sich die gute Vorhersage dann nicht hält, steht man da wie ein Vollidiot... Als der Wecker am Samstag um 7 Uhr klingelt richtet sich der erste Blick zum Fenster und auf die Bäume. Zwar regnet es nicht, aber es wehte nicht der leiseste Windhauch. Murphy's Law?

Als wir am Strand ankamen, schien zumindest die Sonne. Von Wind war aber weiterhin keine Spur zu sehen. Während die Teilnehmer langsam eintrudelten, überlegten wir uns schon, wie wir die Loop-Schüler mit Flautenspielchen und Trockenübungen bei Laune halten könnten. Eine Theorie-Einheit war sowieso eingeplant und unsere erste Maßnahme war, diese ein wenig zu verlängern. Zumindest die letzte Vorhersage des Dänen (www.dmi.dk) ließ hoffen, dass doch noch Gleitwind kommen könnte – und schließlich weiß jeder, Dänen lügen nicht! Als wir die Teilnehmer gegen 10.30 Uhr begrüßten und die Riders Packages überreichten, haben wir natürlich jedem erzählt, das später noch 4,7er Wind kommen würde – aber so richtig überzeugt waren wir davon nicht...

Immerhin war das Wetter für die Trockenübungen perfekt. Alle Teilnehmer durften sich schon mal auf der leicht matschigen Wiese um die Segel herum werfen, um das Loop-Gefühl etwas zu spüren. Für den einen oder anderen waren diese Versuche schmerzhafter als später auf dem Wasser, aber so konnten alle die richtigen Bewegungen lernen und sich die kleinen Kniffe einprägen, die für eine horizontale Rotation so wichtig sind – hintere Hand weit hinten greifen, Kopf über die hintere Schulter drehen, Blick Richtung Himmel, vorderen Arm halbkreisförmig nach Luv/vorne bewegen, Beine anziehen, klein machen, und auf den Einschlag warten. Abgesehen davon, dass man bei diesen Übungen an Land ein paar Fehler sehr schnell erkennen und korrigieren kann, entstanden so auch schon die ersten lustigen Fotos... 

Nach ca. 1,5 Stunden Theorie zeigte sich langsam, dass wir doch den richtigen Tag für die LoopChallenge ausgewählt hatten. Von jetzt auf gleich nahm der Wind plötzlich zu, so dass selbst die schweren Jungs problemlos mit 5,3er Segeln und kleinen Boards gleiten konnten. Die meisten Teilnehmer haben vermutlich noch nie so schnell aufgeriggt, wie an diesem Tag. Die Aufregung und Nervosität war allen anzumerken, aber niemand machte einen Rückzieher und gegen 12.30 Uhr sprangen die ersten Teilnehmer ins kühle Nass um sich einzufahren. Was folgte, war eine grandiose Show mit vielen Stürzen, aber nach kürzester Zeit auch schon mit einigen richtig guten Rotationen, bei denen man leicht erkennen konnte, was sie einmal werden sollten. Die beiden Trainer versuchten, sich um jeden einzelnen zu kümmern, besonders natürlich um diejenigen, die noch etwas zögerlich waren. Jeder fuhr immer wieder an den Strand, nahm einen der Loopschüler mit, sprang ihm einen Loop vor den Bug, ließ den Schüler überholen und feuerte ihn solange an, bis er sich über die erste Rampe in die Rotation warf. Anschließend wurde geschaut, ob Schüler samt Material noch heil war, dann wurden ein paar Tipps zugerufen, bevor am Strand der nächste Teilnehmer aufgesammelt wurde. Dank unserer Fotografen, von denen einer sogar aus dem Wasser heraus Bilder gemacht hat, wurden die ersten Loops sogar festgehalten und können die Teilnehmer nun immer wieder motivieren, dran zu bleiben und weiter zu üben. 

Die Bilanz des Tages war beeindruckend: Endlos viele sensationelle Stürze und Abgänge, keine ernsthaft Verletzten (eine Rippenprellung, aber ein bisschen Schwund ist immer), ein gebrochener Mast, eine gebrochene Gabel und ein zerschrotetes Board, einige tolle Erfolgserlebnisse und am Ende des Tages nur hochzufriedene Gesichter. Besonders beeindruckend war Diana, die einzige Dame im Teilnehmerfeld. Sie legte von Beginn an mit nahezu perfekten Kreiseln los und setzte damit die Messlatte für die Männer ziemlich hoch. Am Ende hat sie den Jungs ganz schön gezeigt, wo der Frosch die Locken hat - bei der abschließenden gemeinsamen Session am Sonntag hat sie sich einen riesengroßen Traum erfüllt, ihren ersten Loop gestanden und ist jubelnd weitergefahren. Chapeau Madame! Aber auch Hut ab von all den anderen, die ihren inneren Schweinehund überwunden haben – ihr habt den ersten Schritt getan, um euer Windsurf-Können auf ein neues Niveau zu heben... Und es hat kein einziger gekniffen! Respekt! Aus unserer Sicht war die diesjährige dritte LoopChallenge die bisher beste – die Stimmung war super, das Niveau der Teilnehmer ziemlich hoch und die Organisation passt auch immer besser. 

So gut wie die Ergebnisse war auch das bisherige Feedback – im Forum von Windsurfing-Kiel.de und per Email hagelte es positive Kommentare. Ein Teilnehmer war so begeistert, dass er für das nächste Jahr direkt zwei seiner Söhne angemeldet hat. Das nennen wir echtes Vertrauen in die Trainer... Auf jeden Fall motiviert dieses Feedback natürlich weiterzumachen.

Auch wenn es sich bei der LoopChallenge nur um einen kleinen Event handelt, kostet er doch recht viel Mühe und Zeit. Am heftigsten trifft es immer Christoph, der stets schon Tage vor dem Startschuss unzählige ungeduldige Mails erhält, dann die Teilnehmerauswahl machen muss und anschließend all denen nette Mails schreiben muss, die keinen Platz bekommen konnten und deshalb rumquengeln. Aber auch im Vorfeld läuft so einiges ab – Ankündigungen im Internet und in den Print-Medien, sammeln der Anmeldungen, Abstimmen der möglichen Termine mit den Trainern, Absprachen mit den Sponsoren, … Die eine oder andere Stunde vergeht so sehr schnell und auch der eine oder andere Euro muss dabei in die Hand genommen werden. Da die Teilnehmer keine hohen Startgebühren zahlen sollen, geht so etwas nur mit der Hilfe unserer Sponsoren, bei denen wir uns noch einmal ganz herzlich bedanken möchten:

Elkline Hamburg, ProLimit, surfline.kiel, sowie RedBull, Tabou, Gaastra, Vandal, GUN und Surfline Munich. Vielen Dank! Wir hoffen, dass wir auch im nächsten Jahr wieder so eine tolle Unterstützung erhalten können! 

Noch ein bisschen zur Entstehungsgeschichte:

Bei der „Windsurfing-Kiel.de LoopChallenge“ handelt es sich um ein Fahrtechnikseminar, das auf StandBy-Basis durchgeführt wird und bisher einmal je Jahr stattfindet. Wer teilnehmen möchte, registriert sich auf windsurfing-kiel.de und bei guter Vorhersage für ein Wochenende gibt es Donnerstags eine Email, dass es losgehen soll. Wer an dem Wochenende Zeit hat und dabei sein will, meldet sich per Email zurück. Unter allen Antworten werden die Teilnehmer ausgelost. Ungefähr 20 Glückliche treffen sich 2 Tage später, um unter Anleitung die nächste Stufe auf der Leiter ihrer Windsurferkarriere zu erklimmen. 

Entstanden ist der Event ist im Jahre 2007, als Christoph, der Webmaster von www.windsurfing-kiel.de irgendwann die Idee hatte, endlich den FrontLoop zu lernen. Ich habe mich damals sofort bereit erklärt, den Trainer zu spielen. Die Idee wurde im Forum von Christoph's Webseite diskutiert und nach wenigen Stunden hatten sich schon viele weitere Loop-Willige gemeldet, die ebenfalls davon träumten, absichtliche Schleuderstürze mit Board zu drehen. Das Ganze entwickelte eine gewisse Eigendynamik und innerhalb kürzester Zeit hatten wir mit Steffi Wahl, Henning Terstiege und Friedel Blaasch weitere Trainer gewonnen und weit über 100 Anmeldungen im Kasten. Die Teilnehmerzahl wurde auf ca. 20 Personen begrenzt, um das Ganze noch durchführbar zu halten. Im September 2010 konnte die LoopChallenge nun bereits zum 3. Mal stattfinden. Insgesamt haben wir es somit geschafft, ungefähr 65 Loop-Lern-Willige aus ganz Deutschland in die Geheimnisse des Kreisels einzuweihen und zu ihren ersten Loop-Versuchen zu begleiten. Die Verletztenquote ist relativ gering und die Erfolgsquote dank des entstehenden Gruppenzwangs ziemlich hoch - bisher hat es jeder Teilnehmer zumindest einmal versucht und jedes Mal sind auch ein paar Surfer dabei, die am Ende komplett rotieren. Nur der Erfinder und Organisator Christoph kann den Loop bisher noch nicht – und so lange das so bleibt, wird es die LoopChallenge wohl auch im nächsten Jahr wieder geben...

 

Text: Flo Söhnchen

Bilder: Michael Wohlgehagen, Valerie Luther, Christoph Lorenz, Rouven Grünhagen, Torsten Fascher