Le Morne, Mauritius, August 2012

Perle im indischen Ozean

Wenn man von Mauritius spricht, kommen einem sofort Bilder in den Kopf, die träumen lassen. Weiße Sandstrände, traumhaft schöne Buchten, Palmen direkt am Wasser, türkise Wasserfarben. Doch all diese Attribute, die man sicherlich auch auf anderen Tropeninseln oder Hawaii finden kann, beschreiben nicht ausreichend die Schönheit dieser Insel vor der Südostküste Afrikas. 

Mauritius ist... anders. Anders als wir erwartet haben, anders als man die Welt von sonstigen Reisen kennt und auf eine besondere Art wunderschön und faszinierend. 

Gerade wenn man die europäischen Windsurfziele, die Kanaren und Marokko kennt, wird man von dieser Insel überrascht sein. Schon beim Landeanflug auf den internationalen Flughafen von Mauritius kann man die tropische Natur erkennen, die besonders aus der Luft einen unglaublichen Kontrast zum türkisblauen Wasser an den Stränden bietet. 

Am Boden angekommen fällt einem sofort die positive und freundliche Art der Menschen auf. Die Menschen sind entspannt, freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit... irgendwie scheint Mauritius einfach glücklich und zufrieden zu machen.

Sicherlich hat auch die Geschichte einen Teil dazu beigetragen, dass die Menschen gelernt haben, gut miteinander zurecht zu kommen. Es gibt beispielsweise keine echten Ureinwohner – Mauritius war vor der Entdeckung durch die Europäer im 16. Jahrhundert unbewohnt. In der Kolonialzeit wechselten die Herrschaftsverhältnisse und damit die kulturellen Einflüsse sehr häufig. Zunächst kamen die Portugiesen, dann die Niederländer (17. Jh.), später eroberten die Franzosen die Insel (18. Jh.) und brachten unter anderem afrikanische und madagassische Sklaven mit. Anfang des 19. Jahrhunderts verlor Frankreich die Insel aber wieder an die Briten. Erst seit 1968 ist Mauritius unabhängig und dem Commonwealth beigetreten. 

Durch diese bewegte Geschichte sind auch fast alle Weltreligionen auf der Insel vertreten. Christen, Orthodoxe, Muslime, Buddhisten, Hindus, Tamilen… Entsprechend findet man viele Tempel in jeder erdenklichen Stilrichtung, teilweise prunkvoll, teilweise extrem farbenfroh, teilweise aber auch unscheinbar und etwas heruntergekommen. 

Die Menschen auf Mauritius sind zumeist sehr religiös und leben ihren Glauben. In vielen Gärten finden sich kleine Schreine, und auf meine Frage an unseren Busfahrer, warum denn die ganzen Strände so unglaublich leer seien, antwortete dieser: „The people have no time for the beach – they are busy. They are praying“. Interessanterweise schaffen es die Menschen auf Mauritius, anders als in vielen anderen Regionen unserer Welt, sich gegenseitig zu tolerieren und respektvoll und friedlich zusammenzuleben – ganz egal welcher Glaubensrichtung sie angehören und welche Hautfarbe sie haben. Die Welt könnte ziemlich schön sein, würden wir uns dies als Vorbild nehmen...

Doch auch auf Mauritius herrschten nicht immer für alle Bewohner nur paradiesische Bedingungen. So erlangte der „Le Morne Brabant“, der markante Berg, der sich nördlich vom bekanntesten und besten Windsurfspot auf Mauritius befindet, auf tragische und traurige Art Berühmtheit. 

Während der französischen Herrschaft flüchteten sich entlaufene Sklaven an die Hänge des Berges, um sich zu verstecken. Als die Engländer zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Sklaverei abschafften, entsendeten sie Polizisten, um den Menschen die gute Nachricht zu überbringen. Die eigentlich befreiten Sklaven, die sich noch am Le Morne aufhielten, glaubten aber entdeckt worden zu sein und stürzten sich wie die Lemminge in den Tod. Unter anderem aufgrund dieser Geschichte ist der Berg 2008 ins Unesco Weltkulturerbe aufgenommen worden. 

Von dieser tragischen Vergangenheit verspürt man heute natürlich rund um den Le Morne nichts mehr. Ganz im Gegenteil, der Berg ragt im Hinterland empor und kreiert vom Wasser aus gesehen eine Landschaft, die in den Film „Jurassic Parc“ gepasst hätte – tropisch grün, fast wie in einem Land vor unserer Zeit. Vor dieser Kulisse befindet sich am Fuße des Le Morne Brabant der beste und bekannteste Windsurfspot der Insel. Türkise Wasserfarben innerhalb der von dem schützenden Korallengürtel umgebenen Bucht und herrlich weiße Sandstrände bieten einen tollen Kontrast zum blauen Himmel und der tropischen Umgebung.

Wer an einem „normalen“ Tag an den Strand kommt, traut seinen Augen nicht. Unaufhörlich donnern weit draußen perfekte Tubes, oftmals 3-4 Meter oder größer, auf die Riffe, die wie ein schützender Gürtel nahezu die gesamte Insel umgeben. Es gibt kaum Stellen, an denen die Wellen direkt bis an den Strand kommen. Dadurch findet man fast überall in Ufernähe eine schützende Lagune, die für die Fischerboote als sicherer Hafen dient, den Touristen und Flachwasserfans gleichzeitig aber perfekte Bade- und Surfbedingungen bietet. Auf der anderen Seite des Riffgürtels gibt es unzählige gute Breaks – Manawa, Chameaux, One-Eye, … einige der Wellen auf Mauritius können sicher mit den besten Surf- und Windsurfwellen der Welt mithalten. Durch das meist recht flache Riff werden die Wasserberge perfekt geformt und brechen an guten Tagen wie in einem Bilderbuch – sauber, kraftvoll, teilweise extrem hohl, und vor allem laufen sie zum Teil unglaublich lang. 

Für weniger wellenerfahrene Surfer ist es alleine schon ein Erlebnis, am sicheren Strand zu sitzen und aus der Entfernung diese perfekten Formen zu bewundern und bei wenig Wind dem Donnern der brechenden Wasserberge zuzuhören. Für gute Waver kann Mauritius sicherlich die richtige Destination für die Suche nach der perfekten Welle darstellen – hier kann man sie finden. Die Suche kann einem hier allerdings auch schnell mal den einen oder anderen Mast kosten oder zu ungewollt engem Kontakt mit dem Riff führen. 

Die richtig guten Breaks sind anspruchsvoll und für Welleneinsteiger nicht zu empfehlen, zumal sie ein ganzes Stück in Lee von dem Channel liegen, der den sicheren Heimweg in die schützende Bucht darstellt. Gute Waverider werden sich hingegen vorkommen wie im siebten Himmel...

Wir haben während unserer Reise keine perfekten Windbedingungen gehabt und konnten so nicht alle bekannten Weltklassespots surfen. Trotzdem habe ich in Manawa vermutlich die bisher größten Wellen meines Lebens gehabt, die gleichzeitig auch noch vergleichsweise einfach zu fahren waren, und Chameaux hat teilweise perfekte Down-the-Line-Bedingungen geliefert, in denen man unglaubliche Glücksmomente erleben und gleichzeitig schon etwas Angst vor dem Riff bekommen konnte... Und ich möchte wetten, dass es abseits von den bekannten und gut erreichbaren Breaks sicher noch viele andere Wellen gibt, die im Prinzip nur per Boot erreichbar sind und ungeahntes Potential bieten. 



Am vorletzten Tag unseres Trips schlief der Wind mal wieder gegen 15 Uhr fast komplett ein. Nicht einmal die Kites blieben am Himmel. Mit einem großen 94l Board und dem 5,9er bewaffnet, dümpelte ich trotzdem die ca. 1,5km bis zum Manawa Riff. Die meisten anderen Surfer haben für einen Mauritius-Trip nur kleine Waveboards und maximal ein 5,3er Segel dabei – daher hatte ich das Riff wieder einmal für mich alleine – wie so häufig in den letzten zwei Wochen. Klar, das große Zeug ist nicht die Traum-Materialkombination in der Welle, aber es ermöglichte mir doch, jeden Tag an den Außenriffen teilweise recht große Wellen zu erwischen, deren Face glatt war wie ein Baby-Popo, während die meisten anderen mit dem kleinen Material am Innenriff oder am Strand bleiben mussten. 



Ich eiere gerade mal wieder bei gefühlten 5 Knoten Wind dicht neben dem Peak herum und sehe, wie sich am Horizont ein größeres Set aufbaut, als in relativ geringer Entfernung ein richtig großer Wal auftaucht und seinen mächtigen Körper auf die Wasseroberfläche klatschen lässt. In diesem Moment verstehe ich, warum Mark Twain seinerzeit sagte, Gott habe zuerst Mauritius erschaffen und nach dessen Vorbild dann das Paradies...

Reisetipps:


Die beste Reisezeit zum Windsurfen auf Mauritius ist der europäische Sommer (ca. Juni bis September). Dann weht der Südost-Passat am beständigsten und am stärksten. Meist fährt man in der Zeit wohl Segel zwischen 4,0 und 5,0 qm, als wir dort waren reichte es allerdings meist maximal für das 5er Segel. 

Die Anreise aus Deutschland ist einfach und komfortabel – Direktflüge z.B. ab Frankfurt gibt es mit Condor oder Air Mauritius. Aber auch mit Emirates o.ä. kann man mit einem Zwischenstopp schnell nach Mauritius kommen. Der Flug dauert rund 12 Stunden, vom Flughafen benötigt man dann noch einmal gut eine Stunde bis nach Le Morne. 

Wind- und Kitesurfmaterial (sehr guter Zustand, top aktuell) kann man im Hotel „Indian Resort“ an der Club Mistral Station oder bei Skyriders leihen. Damit darf man allerdings nicht nach One-Eye. Eigenes Material lässt sich beispielsweise mit Condor zu recht fairen Konditionen mitnehmen (1 Bag mit max. 30 kg für 100,- € je Strecke).

Als Unterkunft empfehlen sich die Hotels direkt am Spot (z.B. „Indian Resort“), da man hier das Material aufgeriggt direkt vor dem Zimmer und meist max. 50m vom Wasser entfernt lagern kann. Tipp: „All Inclusive“ ist zwar spießig, macht hier aber Sinn, da es in der direkten Umgebung nichts zum Einkaufen und keine Restaurants gibt.

Günstiger ist es, Appartments zu buchen und sich selber zu verpflegen bzw. in kleine Restaurants zu gehen. Dann benötigt man aber ein Auto, um zum Spot zu gelangen. Gute Reiseangebote für beide Varianten gibt es beispielsweise bei der Surf'n'Action Company (www.surf-action.com).

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf der Insel sind sicherlich die Île aux Cerfs, das Grand Bassin (größte Hindu-Pilgerstätte außerhalb Indiens, an der man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auf frei lebende Affen trifft, die sich gerne füttern lassen), zumindest einige der Tempel (besonders farbenprächtig sind die Tamilen-Tempel), die vielen verschiedenen Wasserfälle (Rochester Falls, Cascade Chamarel), sowie die „Terres des Sept Couleurs“.

Unser Tipp ist, die Insel mithilfe eines guten Reiseführers an 2-3 Tagen auf eigene Faust mit dem Mietwagen zu erkunden. Die Straßen sind weitestgehend ok (es herrscht allerdings Linksverkehr) und die in den Hotels angebotenen Ausflüge sind hoffnungslos überteuert und grenzen an echten Nepp.

Schnorchel-Ausrüstung, Wellenreiter oder SUP können bei wenig Wind sehr sinnvolles Spielzeug sein... Wellen gibt es hier eigentlich immer...