Moulay, Marokko, Juli 2014

Marokko – bei diesem Land hat man sofort Bilder aus „Tausend und Einer Nacht“ im Kopf. Relativ nah und doch so fern üben diese Land und seine Kultur schon immer einen Reiz aus, auf Reiselustige, Aussteiger, Künstler, Musiker… Auch Jimmy Hendrix zählte zu den prominenten Musikern, die sich in Essaouira aufhielten. 

Jimi wusste, wo es schön ist. Angeblich sind einige seiner Songs während seines Aufenthaltes dort entstanden, so etwa der Song „And the Wind cries Mary“, inspiriert vom ständigen und konstanten Wind in Essaouire…und spätestens jetzt horchen nicht nur Gitarristen sondern auch Windsurfer auf.    

Lange Zeit waren Essaouira, Moulay und Sidi Kaouki Orte für Leute mit sehr viel Zeit, die in klapprigen VW Bussen bis vor Ort fuhren um dort das perfekte Klima zu genießen. Der beständige Wind sorgt entlang der Küste dafür, dass es nie zu heiß wird, und liefert gleichzeitig genug Vortrieb, zumeist für die kleinen Tücher.    

Wie gut die Bedingungen an einem Surfspot sind, zeigt sich oft an den Talenten, die dort groß werden: Pozo auf Gran Canaria ist für diese These ein gutes Beispiel. Und auch Moulay produziert eine ganze Reihe von Talenten, allen voran Boujimaa Guilloul der mit seinen zuhause erworbenen Surfkünsten auch auf der Worldtour für Aufsehen sorgt. 

Bei so guten Bedingungen kann es dann auch auf dem Wasser entsprechend voll werden, wobei insbesondere die einheimischen Jugendlichen auch nicht den Hauch eines Anflugs von Angst vor dem flachen Riff zeigen, wenn sie in ihre ultrahohen Backloops rotieren. Womit wir bei den Gefahren in Moulay wären. Außer dem vorgenannten flachem, rutschigen und löchrigen Riff, das schnell für bleibende Eindrücke am Material sorgen kann, gibt es aber eigentlich nichts wirklich gefährliches zu berichten. Die Kamele der Umgebung sind zumeist eher gleichgültig den Touristen gegenüber, die Menschen sind extrem nett, freundlich und hilfsbereit, und man fühlt sich jederzeit wohl.    

Gerade aufgrund der aktuellen Meldungen über die Schreckensherrschaft der radikalen Islamisten ist es gut zu sehen, das Islam nicht gleichbedeutend mit Gotteskriegern und Gräueltaten ist. In Marokko trifft man, selbst im Fastenmonat Ramadan, entspannte Moslems, und fühlt sich jederzeit sicher und willkommen. Vielleicht ist dies im nördlichen Marokko auch eine Folge der engen Kontakte zu Europa. 

Zum Gefühl der Sicherheit tragen auch die starke Polizeipräsenz und die vielen Straßenkontrollen bei. Selbst am Strand in Moulay findet sich direkt am Surfspot eine Polizeistation. Entsprechend steht die Polizei in Uniform am Strand und bewacht die Wellen, und zwar mit Waffe im Holster und Badelatschen an den Füßen.    

In eine der vielen Straßenkontrollen kamen wir dann auf dem Weg nach Essaouira, bei dem Versuch noch rechtzeitig zum Spielbeginn des WM-Finales gegen Argentinien einen Stehplatz beim Public Viewing in einer der Strandbars zu ergattern. Warum genau wir angehalten wurden und was uns vorgeworfen wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, da unmittelbar in die Verhandlungen über das vermeintliche Bußgeld eingetreten wurde. Am Ende kamen wir aber mit einer Verwarnung davon – und mit einem freundlichen „Good Luck“ für das WM-Finale. Hat funktioniert... 

Ein ganz anderes Problem zeigt sich aber bei Tageslicht. Man findet Berge von Plastikmüll entlang der Straßen, am Rande fast aller Orte, am Strand, im Prinzip überall – und selbstverständlich auch im Wasser. Es stimmt einen schon sehr sehr nachdenklich, wenn man sieht, wie die wirklich faszinierende Landschaft zugemüllt wird, da eben noch kein Umweltbewusstsein oder gar die notwendige Infrastruktur vorhanden ist. Natürlich tragen auch die Touristen und Windsurfer zu dem Plastikproblem bei – an der Steilküste von Moulay findet man neben den unzähligen Tüten und Flaschen auch jede Menge altes, zerrocktes Windsurfmaterial. Teilweise werden zerstörte Segel noch als Windschutz sinnvoll zweckentfremdet, teilweise landet das alte Zeug aber auch einfach direkt zwischen den Felsen und wartet darauf, irgendwann in vielen Jahren vielleicht doch einmal zu verrotten. 

Irgendwann waren wir durch diese Eindrücke soweit, das wir uns beim Trinken fast schon die Frage stellten, ob wir die Plastikflaschen überhaupt noch in den Mülleimer oder direkt an den Strand werfen sollten. Macht man selbstverständlich nicht – niemals – aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass sie trotz des Umweges über den Mülleimer früher oder später genau dort landeten…    

Bekanntermaßen ist Plastik in den Meeren aufgrund seiner seine schlechten Abbaubarkeit ein riesen Problem – teilweise wird dies nicht nur sichtbar, sondern auch riechbar, wenn man an den Müllbergen vorbei kommt. Der Geruch ist hingegen das einzige Problem, das einem beim Besuch auf dem Fischmarkt im uralten Hafen von Essaouira begegnet. Von Fischkuttern, auf denen unsereins nicht einmal den örtlichen Teich befahren wurde entladen Heerscharen von Helfern stapelweise Kisten mit frisch gefangenem Fisch in allen Varianten, den man dann auf der anderen Seite des Hafens in der warmen Mittagssonne direkt käuflich erwerben kann. Wenn Geruch sich per Text transportieren ließe… Allerdings bleibt abgesehen vom Geruch von all dem nichts außer ein paar Gräten, um die sich Möwen und Katzen streiten – anders als bei dem Wohlstandsmüll, bei dem der üble Geruch das kleinste Problem ist.    

Nun gut, Plastikmüll ist kein marokkanisches Problem, sondern ein weltweites, dem man in vielen ansonsten traumhaft schönen Windsurfdestinations begegnet. Leider. Aber dies ist auch der einzig negative Aspekt, über den wir nach unserer Reise berichten können. Ansonsten waren wir von Marokko und der Gegend um Essaouira sehr angetan – nicht nur auf dem Wasser, wo wir ein paar schöne Wellen zerlegen konnten, sondern auch von Land und Leuten. Herausragend und besonders beeindruckt hat uns dabei die Freundlichkeit der Menschen, die im Vergleich zu anderen Ländern, die wir bereits bereist haben, wirklich bemerkenswert ist. Spätestens die Atmosphäre im abendlichen Essaouria führt schnell dazu, dass man sich wirklich in einen Traum von „Tausend und Einer Nacht“ versetzt fühlt. Also schaut mal selbst wann der nächste fliegende Teppich geht….    

Infos

Anreise:

Sowohl die Anreise per Auto oder mit dem Flieger sind gute Optionen. Wir waren erstaunt, wie viele Wohnmobile mit europäischen Kennzeichen in Moulay für längere Zeit Station gemacht haben. Von Hamburg aus hat man dabei allerdings gut 2.800km bis nach Tarifa vor sich, dann kommen noch die Fährüberfahrt sowie 750 km bis nach Essaouira hinzu. Lohnt sich sicher nur, wenn man sehr viel Zeit hat.

Schneller und in Summe günstiger ist sicher der Flieger. Von fast allen großen deutschen Flughäfen erreicht man Agadir oder Casablanca. Die Flugzeit liegt bei ca. 4 Stunden, der Transfer nach Essaouira dauert noch mal ca. 3 bis 3,5 Stunden. Über Paris kann man auch z.B. mit Transavia direkt nach Essaouira fliegen. Ein bisschen schwierig ist bei der Flugreise natürlich wie immer die Materialmitnahme – hier haben wir mit Tuifly gute Erfahrungen gemacht.

Wind und Welle:

Windsaison ist von ca. Ende April bis ca. Ende September. Die besten / größten Wellen laufen eher in unseren Wintermonaten. Die beste Kombination aus amtlichen Wellen und gutem Wind findet man dementsprechend ca. im Mai und im Spätsommer. Dann ist der Spot in der Regel auch recht leer. Sobald im Sommer die Ferienzeit startet, wird es merklich voller, der Wind wird stärker und zuverlässiger, die Wellen nehmen dann aber tendenziell ab. 

Spots

Es gibt eigentlich nur 3 gut erschlossene Windsurfspots rund um Essaouira (von Süden nach Norden):

1) Sidi Kaouki: Sidi liegt etwa 20km südlich von Essaouira. Hier gibt es einen großen Sandstrand und einen gemäßigte Welle, die auf einer Sandbank bricht. Wenn es größer wird, gibt es hier schon mal einen starken Shorebreak. Gut geeignet für Welleneinsteiger und Gelegenheits-Waver.

2) Essouira: Wunderschöne, große, sichelförmige Sandbucht am Rand der der Stadt. Hier findet man im wesentlichen Freeride-Bedingungen mit sehr zuverlässigem Wind, manchmal auch mit kleiner Welle (weiter in Lee). Bester Spot für Ein- und Aufsteiger. Außerdem gibt es in direkter Nähe zum Spot vom Luxus Hotel bis zu einfachen Unterkünften für jeden eine geeignete Bleibe.

3) Moulay: DER Wavespot der Region. Die Rechts-Welle bricht hier auf einem Riff, das bei Ebbe fast komplett trocken fällt. Entsprechend funktioniert der Break 2-3 Stunden vor und nach Hochwasser am Besten. Das Riff ist nicht besonders scharf, hat aber einige fiese Löcher, in die man gut hineinstolpern kann und die auch für Masten eine echte Gefahr darstellen können. Wenn das Wasser abläuft muss man entsprechend schon etwas vorsichtig sein. Durch das Riff wird die Welle aber auch perfekt geformt und extrem berechenbar. Sowohl zum Abreiten als auch zum Springen eine echte Perle des Atlantiks. Bei Niedrigwasser gibt es noch eine Alternative etwas weiter in Luv, mit 2-3 Schlägen gut erreichbar. Bei großen Wellen kann Moulay sehr anspruchsvoll werden – im Sommer hat man aber auch oft Tage mit <1m Welle und sehr harmlosen Bedingungen.

Abgesehen von diesen 3 Spots benötigt man 4WD Fahrzeuge und eine Menge Entdeckergeist, um weitere Spots zu erkunden. Die gibt es mit Sicherheit – dann aber komplett ohne touristische Infrastruktur. 

Materialverleih / Stationen

In Sidi, Essaouira und Moulay gibt es Windsurfstationen mit Materialverleih. Besonders empfehlen können wir an dieser Stelle die Fanatic / North Station „Magic Fun Africa“ von Bruno Erbani in Moulay (www.magicfunafrika.com). Bruno ist gerne bei Reiseplanung und Mietwagensuche behilflich, bietet selber eine einfache aber gute Unterkunft direkt am Spot und hat viele Tipps parat. Die Station ist super ausgestattet mit neuestem Wavematerial in sehr gutem Zustand. Absolut empfehlenswert! Kontakt zu Bruno: contact@magicfunafrika.com.

Pauschalreisen

Beispielsweise die Surf & Action Company bietet das Komplettpaket aus Flug, Unterkunft und Materialmiete in Sidi oder Essaouira an.

Land und Leute

Natürlich gibt es auch in Marokko und rund um Essaouira ein breites touristisches Angebot von Kamelreiten bis Quad-Fahren. Für uns wesentlich attraktiver war es allerdings, in die Altstadt von Essaouira zu gehen (die „Medina“) und die Atmosphäre der Stadt auf uns wirken zu lassen. Essaouira ist wirklich schön und größtenteils sauber und gut entwickelt, die Menschen sind extrem hilfsbereit und entspannt und werden selbst auf dem Basar nicht aufdringlich. Es hilft sehr, wenn man ein bisschen französisch spricht. So kann man sich mit jedem gut verständigen. Englisch reicht auch meistens, aber eben nicht immer. In Essaouira hat man reichlich Auswahl an guten Bars und Restaurants mit großem Angebot und günstigen Preisen bei guter Qualität.

In Moulay selber gibt es ein paar Möglichkeiten, abends essen zu gehen und einen kleinen Laden mit dem Nötigsten an Getränken etc. Es lohnt sich, ein bisschen außerhalb des Ortes am Strand entlang zu schlendern oder bei Ebbe das Riff zu erkunden. 

Infrastruktur / Auto

Rund um Essaouira ist das Straßennetz in einem sehr guten Zustand, es ist überhaupt kein Problem, mit dem eigenen Auto oder einem Mietwagen selber zu fahren. Wenn man in Moulay windsurfen möchte und nur eine Woche Zeit hat, lohnt sich ein Mietwagen eigentlich nicht – besser den Transfer z.B. durch Bruno organisieren lassen und abends 1-2 mal mit dem Taxi nach Essaouira fahren. Das ist wesentlich günstiger.