El Médano / Teneriffa, Juni 2013

Zu Besuch bei Godzilla...

Nichtbloss nicht. Nein, ich tue es nicht. Obwohl, man könnte ja malnur so einen kurzen Blick, einfach mal anklickennein, stark bleiben, es nicht tun!!     

Diejenigen, die unsere Reiseberichte in letzter Zeit verfolgt haben, konnten feststellen, dass die Windgötter uns nicht immer ganz wohlgesonnen waren. Oft lösten sich epische Wind- und Wellen-Vorhersagen vor Ort in Luft auf. Dumm, wenn sich die Vorfreude durch eben diese mehr als optimistischen Vorhersagen dann schon ziemlich hochgeschaukelt hatte. Meist ging letztlich doch immer noch irgendetwas, aber oftmals blieben die Bedingungen dann doch etwas hinter den Erwartungen zurück. 

Deswegen war schnell klar, dass diesmal ein radikal anderer Ansatz her musste. Bloßkeine Vorhersage anschauen, bloßkeine Vorfreude, einfach völlig emotionslos losfliegen und jeden Tag am Strand schauen wie es aussieht. Dieses Mal war El Médano auf Teneriffa das Ziel im Sommer eigentlich ein Garant für beständigen Nordost-Passat und Welle... oder? ... 

Flo versuchte zwar im Vorfeld immer wieder, uns doch zum Wetter-Check im Internet zu verführen, aber alle seine Bemühungen blieben erfolglos. Selbst als es darum ging, das passende Material einzupacken. Lieber einmal die Windgötter reizen und das ganz kleine Zeug zuhause lassenIrgendwann schloss sich selbst Flo dieser Philosophie an, verzichtete unter viel Gejammer auf sein 3.3er und machte sich mit 12 Stunden Vorsprung auf den Weg nach Teneriffa, und zwar um uns beinahe pünktlich am Flughafen in Empfang zu nehmen. Beinahe, weil er schon vorher eine erste kleine Morgensession auf dem Wasser einlegen musste, denn pünktlich mit seiner Ankunft legte der NO-Passat los. Entsprechend schnell waren auch wir auf dem Wasser wie gesagt, nach dem Flo uns mit entsprechender Verspätung und noch nassen Haaren am Airport eingesammelt hatte... .    

Die folgenden Tage übertrafen unsere Erwartungen vollkommen von Tag zu Tag steigerten sich Wind und Wellen, so dass zwischendurch sogar mal ca. 3 Meter Welle und 3,6er Segel für die leichteren Jungs angesagt waren. El Médano hat wirklich geliefert und die Kanaren haben wieder einmal bewiesen, dass sie im Sommer fast immer eine Reise wert sind. Fast immer denn wie wir mittlerweile wissen, gab es ausgerechnet während das kurze Zeit später stattfindenden Worldcups auf Gran Canaria eine Woche Kalima Wetter und absolute Flaute. Kann auch passieren kommt aber zum Glück nicht ganz so häufig vor... 

Was einem sofort auffällt, wenn man in der El Médano Bucht Windsurfen geht, sind die GodzillaSticker, die in den Segeln der Locals kleben. Wir hatten anfangs keine Ahnung, was das sein sollte ein Surfshop, eine Klamottenmarke, jemand der einfach zu viel Kohle hat und alle Locals sponsort...? Neinnein... Godzilla nennen die Canarios liebevoll einen fetten Felsen, der am Hauptspot in der El Médano Bucht kurz vor dem Strand mitten im Weg liegt und zwar so, dass er bei Flut gerade bedeckt ist, bei Ebbe aber ein gutes Stück aus dem Wasser schaut. Der echte Godzilla hat schon in diversen Hollywood-Verfilmungen immer alles kaputt gemacht und so ähnlich verhält sich auch der Felsen in der Cabezo-Bucht. Hier gilt: Auf Godzilla war jeder schon mal drauf. Wer unaufmerksam ist oder den Felsen vorher nicht einmal bei Ebbe gesehen hat, der macht fast mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit im Laufe seines Windsurftrips einmal nähere Bekanntschaft mit ihm   was meist nicht ohne Folgen für Finnen und Board bleibt. Und wer es schafft, Godzilla zu umschiffen, hat gute Chancen, zwangsweise das Riff in Lee des besten Breaks am Bunker zu Fußzu begehen. Zum Glück ist das Riff nicht extrem gefährlich, aber auch hier kann man Material und Füße schon einem kleinen Härtetest unterziehen. Alles in allem ist El Médano aber doch recht harmlos, besonders wenn man sich ein Stückchen weiter in Luv aufhält, die Wellen in der Mitte der Bucht nutzt, und nicht zu dicht an das Riff am Bunker heranfährt. Dann trifft man fast ausschließlich auf Sandboden und riskiert relativ wenig – kann aber dennoch sehr viel Spaß haben. 

Das nächste was auffällt, ist das hohe Niveau auf dem Wasser. Nicht nur die Worldcupper um Adam Lewis, Alex Mussolini, Valter Scotto und Dany Bruch rippen was das Zeug hält auch einige unbekanntere Locals springen Backloops mit fast 100% Quote und zeigen Wave 360er am laufenden Band. Und auch ein paar U15-Kids springen schon Loops und zerlegen die Wellen nach Lust und Laune. Das Niveau motiviert unheimlich und führt dazu, dass man selber auch mehr probiert, riskiert, und innerhalb weniger Sessions schnell besser wird und die Bedingungen immer besser nutzen kann.    

Genau das taten wir dann auch, getreu dem "täglich grüßt das Murmeltier" - Prinzip. Aufstehen, frühstücken, Material aus der Garage 20m zum Strand tragen, downwind runter zum Riff, surfen bis alles weh tut, hochkreuzen, essen, und das Programm vom vormittag noch mal bis zur Abenddämmerung. Inkl. dem ein oder anderen Besuch bei vorgenanntem Godzilla.    

Angeblich gibt es jede Menge Alternativen bei Windmangel auf Teneriffa, aber wir hatten keine Chance diese auszuprobieren, da der Wind non stop blies. Aber beklagt hat sich, zumindest bei uns, keiner.    

Erst eine Woche später wurde pünktlich um 16:00 der Wind abgestellt, und zwar genau eine Stunde vor unserem Check-in für den Rückflug. Perfekter kann man es wohl nicht timen

Reiseinfos

Anreise: Teneriffa ist, genau wie die anderen Kanaren-Inseln, aus Deutschland natürlich verhältnismäßig einfach erreichbar. Neben anderen Airlines fliegen AirBerlin, Condor, RyanAir oder EasyJet von den meisten deutschen Airports auf die Kanareninsel. Oft kann man für ca. 350,- € einen Flug ergattern, wenn man die Hauptferienzeiten vermeidet. Unschlagbar hinsichtlich Materialmitnahme ist nach unserer Erfahrung AirBerlin.

Mietwagen: Gibt es reichlich und relativ günstig (Cicar, Sixt, Europcar, Hertz, ...). Nur Autos mit Dachgepäckträger sind entweder teuer oder schwer zu bekommen.

Günstig, aber ohne Dachgepäckträger: www.pluscar-tenerife.com,

Unser Favorit mit Dachgepäckträgern: www.autoreisen.es

Wer nur Windsurfen will und zur Passatzeit kommt, kann in El Médano sogar auf einen Mietwagen verzichten. Die meisten Vermieter bieten auch einen Transfer-Service an. Außerhalb der Passatzeit lohnt es sich der Wagen auf jeden Fall, um die Insel zu erkunden und um alternative Spots erreichen zu können. Teneriffa bietet mehr als nur El Médano (um ehrlich zu sein ist El Médano bei weitem nicht der schönste Fleck der Insel...) und mit einem Wellenreiter kann aus einer windlosen Winterwoche eine Traumwoche werden.

Unterkunft: Per Google kann man schnell und einfach Unterkünfte in und um El Médano finden. Unser Favorit sind die Casas Colores (http://www.cabezo-medano.com). Rudi Seeberger vermietet die bunten Häuschen am Nordende der Bucht. Die Wohnungen bieten gute Ausstattung, Materiallager in Garagen und windgeschützte Terrassen nach Lee mit Blick über die Cabezo Bucht, perfekt auch für die nicht-surfende Reisebegleitung. Einziges Manko ist das Hotel Arenas del Mar, das in Strandnähe etwas für Windverwirbelungen sorgt. Dafür ist der Sandstrand sehr sauber und gepflegt und der Einstieg ist hier einfacher als am Hauptspot.

Windsurfen: In El Médano gibt es zwei Spots für NO-Passat  direkt im Ort findet man eine Flachwasser-Piste, die zum Racen, Freestylen und Freeriden einlädt. Auch Anfänger- und Kite-Schulungen werden hier angeboten.

Eine Bucht weiter nördlich (Cabezo) treffen sich alle wellenhungrigen Surfer. Je weiter nördlich/ in Luv man sich aufhält, desto harmloser sind die Bedingungen. Am Bunker geht teilweise richtig die Post ab und das Riff kann schon mal einen Mast kosten. Dafür sind die Bedingungen zum Wellenabreiten wirklich gut. Die Sandbank in der Mitte der Bucht ist super zum Springen und relativ fehlerverzeihend.

Achtung: Godzilla lauert bei Ebbe dicht unter der Wasseroberfläche kurz vor dem Ausstieg am Hauptspot.

Bei anderen Windrichtungen funktioniert Cabezo nicht richtig, während die Médano-Bucht an seltenen Tagen bei Südwest manchmal kleine saubere Wellen mit Side/Offshore-Wind von rechts bieten kann.

Vor allem im Winterhalbjahr empfiehlt sich der Spot LaFitenia im Südosten der Insel. Mitten in der Touristenmetropole Las Americas liegt eine der wohl besten Westwind-Alternativen. Hier kann man relativ häufig mit 4,5er Segeln große, kraftvolle Wellen mit Sideshore-Wind von rechts erleben, während in El Médano absolute Flaute herrscht. Ein- und Ausstieg sind nicht ganz einfach und nicht für Wellenanfänger geeignet  besonders weil in Lee bei Materialbruch eine große Mole wartet. Die Strömung kann einen hier gnadenlos auf die Mole spülen, was an großen Tagen wirklich riskant und gefährlich sein kann. Die Parkplatz-Situation ist eine Katastrophe  aber die Mühe lohnt sich! 

Rund um die Insel finden sich weiter viele gute Surf- und Windsurf-Spots, die aber meist nur bei speziellen Bedingungen funktionieren und nur für erfahrene Windsurfer geeignet sind. Tipp: Kite- and Windsurf Guide Europe checken.

Und sonst...?

In El Médano findet man alles was man braucht. Surfshops mit Board- und Segelreparatur-Service, Bars, viele Restaurants, Supermärkte, ... Außerhalb von El Médano bietet Teneriffa mehr Abwechslung als die anderen Kanareninseln. Traumstrände in den Touri-Gegenden im Süden, Schnee auf dem Teide und tropische Wälder im Norden der Insel. Man kann fantastisch Biken, aber auch mit dem Auto lassen sich tolle Ausflüge in verschiedene Klimazonen unternehmen. Es gibt touristische Attraktionen wie den Siam-Park (Wasser-Erlebnispark) und den Loro Parque (toll angelegter Zoo und Tierpark). Besonders empfehlenswert sind, neben einem Besuch auf dem Teide, ein Trip in den rauhen Nordwesten (rund um die Punta del Hidalgo) und eine Erkundungstour entlang der Westküste mit dem Wellenreiter. Unser Tipp: Verlasst El Médano auch bei einer kurzen Reise zumindest einmal. Es lohnt sich.