Frankreich, Juni 2011

Wissant

Epilog...

Dänemark“ ....“Hmm.....so gut sieht das mit der Vorhersage jetzt aber nicht mehr aus, was meinste?“ „Hmm...ja, so richtig prall nicht mehr...hmm...hmm..“

Schau mal Wissant...das sieht mal gut aus...4 Tage, jeden Tag ein wenig mehr...“

Ja...hmmm...aber aus Nordost...ob das dann da Welle hat?“

Wahrscheinlich kennt sie jeder Windsurfer, die quälende Frage, wohin am Wochenende. Insbesondere seitdem es diverse Windvorhersagedienste im Internet gibt, ist die Entscheidung nicht unbedingt einfacher geworden. Zumal die ja schon so oft falsch gelegen haben, mit ihren computergestützten Vorhersagemodellen.

Speziell wenn dann noch ein langes Wochenende ansteht, so wie an Christi Himmelfahrt, man also 4 Tage Zeit hat. Nimmt man dann noch hinzu, dass Flo aus Kiel und ich aus Krefeld komme, dann ist bei einem gemeinsamen Surftrip immer ein wenig Fahrerei involviert.

Unser Plan A, 4 Tage Klitmöller, schien angesichts der Windvorhersagen nicht besonders erfolgsversprechend. Blieb also Richtung Südwesten, nach Wissant, Frankreich. Das bedeutete für Flo dann eine lange Anreise, was die Entscheidung nicht unbedingt einfacher machte. Letztlich schwang er sich doch auf die Autobahn, Auslöser war die Überlegung das schlimmstenfalls in Frankreich kein Wind sein würde, aber immerhin schöne Landschaft. Zuhause in Kiel war definitiv kein Wind angesagt, dafür wäre aber der ständige Gedanke in Frankreich doch gute Bedingungen zu verpassen nicht gerade der Entspannung zuträglich.

Plan B, Wissant trat also in Aktion, und Donnerstag morgen um 02:30 waren die ersten 5 Stunden Autofahrt erledigt, und nach einem Frühstück ging es auf die zweite Etappe. Staus wurden gekonnt umfahren, wobei Strassenkarten nach unserer Philosophie zuhause eh besser aufgehoben sind. Auch bei unserer Ankunft lief noch alles nach Plan, strahlender Sonnenschein, herrliche Sicht nach England....nur hatten scheinbar noch einige andere einen ähnlichen Plan, denn Wissant war brechend voll, und die Sicht auf die Kreidefelsen von Dover war am Strand durch eine Wand von Kites dann doch ein wenig beeinträchtigt. 

Welle gab es noch keine, aber mit 5.7 und Freestyleboard liess sich dann in Luv doch noch ein wenig freie Wasserfläche finden, um schon mal Spaß zu haben bis in die Abendstunden.

Am 2ten Tag hatten sich bei einem ersten Blick aufs Wasser die Bedingungen noch nicht entscheidend verbessert, aber immerhin liessen sich erste Wellen erahnen, und auch eine Segelgröße kleiner war angesagt.

Flo zweifelte inzwischen ein wenig, ob die 20 Stunden Autofahrt für ihn wirklich so sinnvoll waren, wurde aber zumindest kurzfristig beruhigt, als ein anderer Windsurfprofi frühmorgens und leicht verschlafen am Strand auftauchte, nach einer Nachtfahrt aus Pelzerhaken und mit glänzenden Augen meinte, das wird noch gut, wie Hookipa! Zumindest in einigen Punkten sollte er Recht behalten, Hookipa ist vermutlich genauso voll....und links hat es Felsen, bzw Bunkerreste...

Immerhin konnten wir doch noch das Waveboard zu Wasser lassen, Hookipa hatten wir uns wavetechnisch allerdings etwas radikaler vorgestellt. Der Samstag begann entgegen der Vorhersage dann nicht mit Wind für die kleinen Segel, sondern mit Sonne für den ein oder anderen Cafe au lait, und mehreren erfolglosen Versuchen doch mit Wavematerial ins Gleiten zu kommen. Allerdings hat der erhebliche Tidenhub den Vorteil, das man bei Ebbe quasi schon mal den Parcour abgehen kann, also schon mal jede Sandbank in Augenschein nehmen kann, auf der bei auflaufendem Wasser dann die Wellen brechen. 

Erst gegen Abend, als schon fast alle eingepackt hatten nahm der Wind zu, und allein für die 2 stündige Abendsession bis zum Sonnenuntergang in den fast leeren Wellen, die das Potential des Spots zeigten, hätte sich die Anfahrt gelohnt. Manchmal ist es eben doch nicht die Anzahl der Stunden auf dem Wasser, oder die Höhe der Wellen, sondern es sind die besonderen Momente, die uns immer wieder zu - von aussen betrachtet - solchen ziemlich hirnrissigen Aktionen wie Fahrten quer durch Europa, nur für etwas Wind und ein paar Wellen.

Da machte es auch nichts, dass entgegen der von Flo vertretenen These, das Franzosen spät essen, in sämtlichen Lokalen in Wissant schon die Stühle auf den Tisch gestellt wurden als wir uns auf die Nahrungssuche machten.

Genauso wenig machte es uns etwas aus, das die Windvorhersage inzwischen immer weiter nach unten korrigiert worden war, und auch Regen uns beim Aufwachen begrüßte. Immerhin ging unser Plan insoweit auf, das wir auch noch am letzten Tag eine Session am frühen Morgen einschieben konnten, und dann sogar gegen Mittag entspannt bei abnehmendem Wind einpacken konnten, in der Gewissheit, nichts mehr zu verpassen.

Tja, und dann lag wieder jede Menge Autobahn vor uns....aber damit auch Zeit, die nächste Tour zu planen... ;-)

Text by Chris Hafer / Pics by Chris Hafer und Flo Söhnchen